Wege aus der Polykrise – Die Donut Ökonomie und was wir davon lernen können
Wohlstand neu gedacht zwischen ökologischen Obergrenzen und sozialen Grundlagen

Wie können wir gesellschaftlichen Wohlstand neu denken – innerhalb ökologscher Obergrenzen und über einem stabilen sozialen Fundament? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Wege aus der Polykrise – Die Donut-Ökonomie und was wir davon lernen können“ im Rahmen der Reihe „Wien New Deal – Perspektiven für eine klimagerechte Zukunft“, zu der Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky eingeladen hatte. Im Zentrum der Veranstaltung stand der viel diskutierte Ansatz der Donut-Ökonomie. Die Moderation des Abends hatte Johannes Lutter (Urban Innovation Vienna) inne.
Den Auftakt machte die renommierte britische Ökonomin Kate Raworth von der Universität Oxford – die Begründerin der Donut-Ökonomie und Mitinitiatorin des Doughnut Economics Action Labs (DEAL). In ihrer Keynote stellte sie die Grundidee des Konzepts vor, das eine Alternative zu einem rein wachstumsorientierten Wirtschaftsverständnis formuliert. Der Donut beschreibt einen „safe and just space for humanity“: einen sicheren und gerechten Handlungsraum, in dem die Bedürfnisse aller Menschen erfüllt werden, ohne dabei die ökologischen Belastungsgrenzen des Planeten zu überschreiten. Im Inneren stehen soziale Grundlagen wie Nahrung, Gesundheit, Bildung, Wohnen, Einkommen oder politische Teilhabe; am äußeren Rand markieren planetare Grenzen etwa in den Bereichen Klima, Biodiversität, Landnutzung oder Verschmutzung die ökologischen Limits wirtschaftlichen Handelns.
Raworth machte deutlich, dass dieses Modell nicht nur eine theoretische Kritik am Wirtschaftsdenken des 20. Jahrhunderts ist, sondern vor allem ein praktischer Orientierungsrahmen für das 21. Jahrhundert sein will. Es gehe darum, wirtschaftlichen Erfolg nicht länger nur über Wachstum zu definieren, sondern über das Erreichen eines guten Lebens für alle innerhalb der Belastungsgrenzen des Planeten. Gerade Städte, so Raworth, könnten hier eine Schlüsselrolle einnehmen.
Wie internationale Städte die Donut-Ökonomie als Konzept konkret in Wirkung bringen, zeigte Leonora Grcheva vom Doughnut Economics Action Lab | DEAL. Städte und Regionen weltweit nutzen die Donut-Ökonomie auf unterschiedliche Weise – als Modell für datenbasiertes Monitoring, als kommunales Steuerungsinstrument oder als strategischen Kompass für ihre Entwicklung. Beispiele, etwa aus Amsterdam, Kopenhagen, Barcelona oder Grenoble, zeigten, wie sich der Donut als Instrument einsetzen lässt, um soziale und ökologische Ziele stärker zusammenzudenken und politische Entscheidungen daran auszurichten. Auch Wien wird sich des Donut-Modells im Rahmen der Fortschreibung des Wiener Klimafahrplans bedienen, wie im Rahmen der Diskussion betont wurde.

Maria Katharina Moser betonte die soziale Dimension der Polykrise: Klimakrise, Teuerung, Pflegebedarf und soziale Ungleichheit träfen besonders jene Menschen, die ohnehin wenig Ressourcen hätten. Klimapolitik, so ihre zentrale Botschaft, müsse daher immer auch sozialpolitisch gedacht werden.

Die Diskussion mit dem Publikum machte deutlich, wie groß das Interesse an neuen wirtschaftspolitischen Leitbildern ist. Die Donut-Ökonomie wurde an diesem Abend nicht als fertige Lösung präsentiert, sondern als Einladung, grundlegende Fragen neu zu stellen: Was bedeutet ein gutes Leben? Was brauchen Menschen wirklich? Und wie kann eine Stadt so gestaltet werden, dass sie soziale Sicherheit, ökologische Verantwortung und demokratische Teilhabe miteinander verbindet? Genau in der Verbindung dieser Dimensionen liegt die Stärke der Donut-Ökonomie, wie an diesem Abend deutlich wurde.
Infos auf einen Blick
Veranstaltung, 3.3.2026, 18:00 Uhr
Ort: Education Lab Wien
Teilnehmer*innen:
- Kate Raworth, Universität Oxford & Doughnut Economics Action Labs | DEAL
- Leonora Grcheva, Doughnut Economics Action Labs | DEAL
- Max Koch, Universität Lund
- Maria Katharina Moser, Diakonie Österreich
Moderation: Johannes Lutter, UIV Urban Innovation Vienna



